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John Grisham: Von Rechts wegen spannend

Er ist „die oberste Instanz des Thrillers“ (Neue Zürcher Zeitung), ein meisterhafter Erzähler, ein ehemaliger Anwalt und US-Politiker, der sich für die Gerechtigkeit einsetzt. Genau: Es geht um John Grisham. Neben seiner Tätigkeit als weltweit erfolgreicher Schriftsteller engagiert er sich seit vielen Jahren im Innocence Project. Das Team hilft zu Unrecht Verurteilten mithilfe neuer DNS-Beweise, sie rückwirkend aus dem Gefängnis oder sogar dem Todestrakt zu befreien. Ron Williamson und Dennis Fitz sind zwei davon. Ihre Geschichte inspirierte John Grisham zu dem Sachbuch „Der Gefangene“ (2006). Auch sein neuester Justiz-Thriller „Forderung“ basiert auf wahren Begebenheiten. Dieses Buch gibt es ab sofort als günstige Weltbildausgabe.

Der Stoff, aus dem die Wirklichkeit gemacht ist

Mehr als 38 Bücher hat der bald 64-Jährige geschrieben, die in über 40 Sprachen übersetzt und weltweit über 257 Millionen mal verkauft wurden. Dabei hatte Grisham nie den Traum, Schriftsteller zu werden. Auf seiner Homepage verrät er: „Ich zweifle ernsthaft daran, ob ich jemals die erste Geschichte geschrieben hätte, wenn ich kein Anwalt gewesen wäre […]. Ich begann zu schreiben, nachdem ich ein Gerichtsverfahren verfolgt hatte.“

Für Grisham liefert die Wirklichkeit mit ihren Verbrechen und Justizirrtümern, Schicksalen und Fakten die besten Storys. Sein Debütroman „Die Jury“ basiert auf seinen Beobachtungen während eines Vergewaltigungsprozesses. Für seine Jugendbuchserie „Theodore Bonne“, bei der ein Teenager seinen Klassenkameraden als Amateuranwalt hilft, wurde er von seiner Tochter inspiriert. Und im Familienroman „Die Farm“ verarbeitete er seine Kindheitserinnerungen.

„Forderung“ bei Weltbild als günstige Sonderausgabe

Auch sein aktuelles Buch „Forderung“ ist aus dem realen Leben gegriffen. Ein Artikel des Investigativ-Journalisten Paul Campos über den Betrug mit Jura-Hochschulen lieferte die Vorlage. In der Geschichte stehen Todd, Mark und Zola kurz vor ihrem Juraexamen. Sie müssen feststellen, dass die private Hochschule, an der sie studieren und für die sie horrende Gebühren bezahlt haben, sie nicht ausreichend darauf vorbereitet hat. Was nun? Ohne Abschluss kein gut bezahlter Job – und ohne Job keine Möglichkeit, die Schulden jemals zurückzubezahlen. Die drei schmieden einen genialen Plan und gehen auf die Suche nach Mandanten – ganz ohne Lizenz. Ein spannendes Katz- und Mausspiel nimmt seinen Lauf …

Bei Weltbild ist sein neuester Roman „Forderung“ jetzt als günstige Sonderausgabe erhältlich. Am 4. März 2019 folgt bereits Grishams nächster Thriller, „Das Bekenntnis“. Seien Sie gespannt!

Bücher aus dem Kofferraum: Vom Selbstvermarkter zum Superstar

Mit 31 Romanen, einem Sachbuch, einem Erzählband sowie sechs Jugendbüchern gehört John Grisham zu den erfolgreichsten und bestbezahlten Schriftstellern der Welt. Doch der Weg dahin war alles andere als einfach. Der Autor von „Die Jury“, „Die Firma“ und „Bestechung“ wuchs in Arkansas in einfachen Verhältnissen auf. Da sein Traum vom Baseball-Profi aufgrund mangelnden Talents platzte, studierte er Jura und praktizierte anschließend etwa zehn Jahre lang als Anwalt.

Drei Jahre brauchte Grisham für seinen ersten Roman, „Die Jury“ (1989). Er schrieb jeden Morgen daran, bevor er mit seiner Anwaltstätigkeit begann. „Wahrscheinlich habe ich deswegen heute Schlafstörungen“, sagt er später in einem Interview. Doch kein Verlag wollte ihn veröffentlichen – er kassierte 28 Absagen. Als er schließlich doch die Zusage eines New Yorker Verlegers ergatterte, fehlte das Geld für die Werbung. Grisham nahm die Vermarktung selbst in die Hand und verkaufte seine Bücher aus seinem Kofferraum heraus – an Supermärkte, Büchereien und Tankstellen.

„Ich fuhr zu 30, 35 Büchereien in kleinen Städten. Ich rief vorher an, sie schmissen eine Party, die Damen sorgten für Bowle und Plätzchen, und ich stiftete ihnen einige Kartons Bücher“, erzählt Grisham in einem Spiegel-Interview. 1991 schloss er sein Anwaltsbüro und widmete sich vollkommen dem Schreiben. Schließlich hatte er gerade die Filmrechte an seinem zweiten Roman „Die Firma“ für 600.000 US-Dollar an Paramount Pictures verkauft.

Sein Kampf für Gerechtigkeit

Obwohl Grisham seine Karriere als Anwalt vor langer Zeit aufgegeben hat, engagiert er sich weiterhin für Gerechtigkeit, besonders innerhalb des Innocence Project. Er ist um das US-amerikanische System des Strafrechts sehr besorgt und warnt davor, „dass es nichts Schlimmeres gibt, als eine unschuldige Person zu Unrecht zu verurteilen – für ein Verbrechen, das sie nicht begangen hat, während der wahre Täter frei herumläuft“.

Viele Bereiche des Strafrechtsystems sind seiner Meinung nach zerbrochen und müssen wieder aufgebaut werden. Tausende Dollar könnten durch Strafrechtsreformen gespart und viel menschliches Leid verhindert werden, wie er in einem Interview mit dem Marshall Project erläutert. Mit seinen Justizromanen hofft Grisham, dass sie den Blick auf bestimmte Probleme im US-System hinsichtlich Strafrecht, Justizwesen und Strafvollzug lenken und zu Veränderungen anregen.

Der „Schreiberholic“ für Serien-Junkies

Grisham ist das, was man einen „Schreiberholic“ nennt: Seit 1988 hat er jedes Jahr ein neues Buch veröffentlicht – und jedes wurde ein Bestseller. Sein Geheimnis? Er zieht sich auf seine Farm in Virginia zurück, wo er in Ruhe arbeiten kann. In seinem Büro gibt es weder Telefon, noch Fax oder Internet. Aber stets eine Tasse schwarzen Kaffees, wie er in einem Spiegel-Interview verrät.

Nach der Verfilmung seines Thrillers „Die Firma“ schafften es viele weitere seiner packenden Plots auf die Leinwand. „Die Jury“, „Der Anwalt“, „Der Regenmacher“ oder „Das Urteil“ wurden mit Hollywood-Stars wie Tom Cruise, Samuel L. Jackson, Susan Sarandon oder Matthew McConaughey hochkarätig besetzt. Und auch Serien-Junkies können sich bald dem Grisham-Fieber anschließen: Sein erster Non-Fiction-Roman „Der Gefangene“ erscheint demnächst als Serie auf der Streaming-Plattform Netflix.